Ein Besuch im Naturmuseum
Am Zaun unseres Vorgärtchens findet man seit ein paar Wochen ein “Mitmach-Naturmuseum”. In diesen Setzkasten können alle, die vorbei kommen, einen kleinen Naturschatz hineinlegen und/ oder mitnehmen.
Mitmach-Naturmuseum
Es wurden schon verschiedene Blüten und Kräuter, Steine und eine Handvoll Erde hinein gelegt.
Ich möchte damit ein bisschen den Blick der Passanten lenken auf die Natur und ihre Schönheiten. Besonders Kinder bleiben gerne neugierig stehen. Wenn du über den Zaun deinen Weg hierher gefunden hast, dann schau dich doch gerne hier um. Mein Name ist Florence, ich bin Naturmentorin und Kräuterpädagogin und möchte gerne die Naturverbindung fördern.
Deshalb habe ich das Naturmuseum noch durch einen kleinen Schaukasten ergänzt. Mit unregelmäßig wechselnden Ausstellungen möchte ich gerne verschiedenste Themen rund um Flora und Fauna aufgreifen und interessante Fakten dazu erklären.
Erstes Exponat Mai 2026: ein Amselnest
Gespendet von unseren lieben Freunden, bei denen letztes Jahr ein Amselpärchen (Turdus merula) direkt vor der Haustür im Hof gebrütet hat.
Da staunten unsere Freunde nicht schlecht als sie nach einer Woche Urlaub nach Hause kamen und ein Amselpärchen- Anton und Anni Amsel- im Hof eingezogen war. Die werdende Vogelmutter hatte bereits ein schönes und stabiles Nest gebaut. Amseln brüten zwei- bis dreimal im Jahr. Die erste Brut kann schon sehr früh, Ende Februar oder Anfang März stattfinden.
Anton Amsel
Männliche Amseln haben ein schwarzes Gefieder, einen leuchtend gelben Schnabel und einen gelben Lidring um das Auge herum.
Um seine erwählte Amseldame zu beeindrucken, singt der Amselmann vor allem morgens und abends hoch oben auf Dächern, Laternen und Baumspitzen. Sein Gesang ist melodisch und vielfältig.
Anni Amsel
Die weibliche Amsel ist unauffällig bräunlich getönt mit einem dunkleren Schnabel.
Eine Amsel wird ca. 24 bis 29 cm groß.
Amseln suchen auf dem Boden nach Nahrung und hüpfen dabei über Wiesen und scharren oft laut raschelnd im Gebüsch. Sie fressen sehr gerne (Regen-) Würmer, Raupen, Beeren, Insekten (-larven), Spinnen, Früchte und manchmal sogar Eidechsen oder Mäuse. Im Winter ernähren sie sich zum Großteil von Efeubeeren und kommen auch an Vogelfutterstellen.
Sie baden gerne in Pfützen und Vogelbädern und nehmen manchmal mit ausgebreiteten Flügeln ein Sonnenbad. Wenn du mal darauf achtest, kannst du sehr gut den Alamruf von Amseln hören. Mit einem lauten und anhaltenen “Pli-Pli-Pli-Pli-Pli…!” machen sie zum Beispiel auf Katzen in der Nähe aufmerksam.
Ursprünglich waren Amseln Waldbewohner, nun kommen sie vor allem in Parks, Gärten und sogar Innenstädten vor. Amseln sind bei uns Standvögel und bleiben auch im Winter hier.
Fortpflanzung
Nestbau
Das Nest besteht aus verschiedenen Gräsern, Pflanzenstängeln, Wildkräutern, Wurzeln und Moos. Das Amselweibchen sammelt das Material am Boden. Die Nestbasis wird mit feuchter Erde und Lehm ausgekleidet und wenn es getrocknet ist, polstert die Amsel die Mulde in der Mitte mit Gräsern und Blättern aus.
Das Nest in der Museumsbox ist mit Lehm fest an ein Holzbrett geklebt.
Eiablage
Drei Eier liegen am 19.04 bereits im Nest. Siehst du die tolle grünlich-blaue Farbe der Eier mit den kleinen bräunlichen Sprenkeln? Amseleier sind durchschnittlich 29,5 x 21,5 mm groß. Ab dem dritten Ei beginnt das Weibchen zu brüten und verlässt dann nur noch zur Nahrungssuche das Nest. Das Männchen bewacht dann manchmal die Eier und setzt sich auch darauf, die meiste Brutarbeit übernimmt aber das Weibchen.
Nach drei Tagen liegen insgesamt fünf Eier im Nest. Da dieses sich in Sichtweite des Küchenfensters unserer Freunde befindet, können sie immer mal wieder unauffällig Fotos machen, ohne die Amseln zu stören.
Brutzeit
Die Brutdauer bei Amseln beträgt ungefähr 14 Tage. Die Eier müssen stets warm gehalten werden (mit kleinen Pausen zum Fressen), sodass sich die Vogelbabies optimal entwickeln können.
Schlupftag
Am 03.05 ist es soweit und die ersten Küken kämpfen sich aus ihren Eierschalen heraus. Innerhalb von zwei Tagen schlüpfen meist alle Geschwister. Sie haben kaum Federflaum und ihre Augen sind noch fest geschlossen.
Zwei Tage alt (links) und fünf Tage alt (rechts)
Sechs Tage alt
Die Küken entwickeln sich schnell. Sie werden rasant größer, ihre Federn wachsen und sie werden immer agiler und kräftiger. Von ihrer Mutter werden sie gehudert. Das heißt, dass sie ihre Küken unter den Flügeln oder an ihrem Bauchgefieder warm und trocken hält. Zum Füttern der kleinen Nimmersatte sind beide Eltern im Einsatz.
Fütterungszeit
Die Küken sind neun Tage alt und haben nun ihre Augen geöffnet.
Sobald sich ihre Eltern dem Nest öffnen, sperren sie weit den Schnabel auf und rufen bettelnd.
Die Amseleltern sind den ganzen Tag auf Nahrungssuche und füttern abwechselnd ihre Jungen. Anfangs bekommen sie fast nur tierische Nahrung (Raupen, Würmer, Larven,…), nach ein paar Tagen können dann auch Beeren und andere Früchte dazu kommen.
Um das Nest sauber zu halten, fressen die Eltern den Kot der Jungen.
Elf Tage alt
Die jungen Nestlinge sehen immer mehr wie “richtige” Vögel aus. So langsam wird es eng im Nest.
Und die ersten mutigen Vogelkinder beginnnen ihre Umgebung zu erkunden.
Die Amselkinder werden flügge
Im Alter von zwölf Tagen haben zwei der Geschwister das Nest verlassen und hüpfen vorsichtig durch den Hof. Zum Glück sind sie dort gut geschützt vor Autos und Katzen. Nun beginnt nämlich die gefährlichste Zeit für einen Jungvogel. Das Gefieder ist noch nicht vollständig entwickelt und er kann noch nicht richtig fliegen. In dieser “Bettelflugperiode” oder auch “Ästlingszeit” üben sie das fliegen und selbstständige Suchen von Nahrung, werden dabei aber noch immer von den Eltern betreut und gefüttert.
Dreizehn Tage alt (links) und vierzehn Tage alt (rechts)
17.05. Alle Amselkinder haben das Nest verlassen und machen sich auf ins Abenteuer Leben! Ihre Eltern werden sie noch ca. drei Wochen lang begleiten bevor sie ganz auf sich selbst gestellt sein werden.
Die Fotos wurden freundlicherweise bereitgestellt von Johanna Weiser
Weblinks:
Literatur:
“Vogelführer” Kosmos-App
Kinder Naturführer: “Was fliegt denn da?”, Kosmos
“Birding für Ahnungslos”, Vèro Mischitz
“Mein Kosmos Buch Natur”, Kosmos